Allgemein, kreatives Schreiben

Schreibübung 4: Beobachtungsgabe

Inhalt

Nachdem wir Ideen für unser literarisches Schreibprojekt gesammelt und unseren Wortschatz angeregt haben, gilt es hellwach und aufgeschlossen zu sein, damit unsere Schreibenergien fließen und wir sie nutzen können. Wir können unsere Beobachtungsgabe und Wahrnehmung schärfen, indem wir uns den Eindrücken um uns herum öffnen, Unbekanntes an uns heranlassen und neue Wege beschreiben.
Nur so können wir etwas erschaffen, was zuvor nicht existierte, nämlich eine von uns erdachte Welt mit einer fiktiven Handlung und fiktiven Personen.

Aufgabe

Teil 1: Notieren

  • Begib dich an einen belebten Ort (Park, Brunnen) oder Raum (Café, Restaurant, Museum) und beobachte genau, was du um dich herum siehst und erlebst.
  • Ist es ein ruhiger oder hektischer Ort?
  • Welche Menschen sind dort, wie sehen sie aus? Welche Kleidung tragen sie?
    Wie bewegen und benehmen sie sich? Was tun sie? Unterhalten sie sich?
  • Was nimmst du sonst noch wahr (Gebäude, Tiere, Pflanzen, Gegenstände…)?
  • Welche Sinneseindrücke nimmst du auf (Gerüche, Geräusche, Geschmack…)?
  • Notiere alles, was du wahrnimmst.

Teil 2: Skizzieren

  • Gehe vom Notieren zum Skizzieren über, das bedeutet:
  • Beschreibe skizzenhaft, in kurzer, knapper Sprache einen Bildausschnitt, den du vor dir siehst oder beobachtest.
  • Lasse daraus eine bildhafte Szene, einen kleinen Handlungsablauf entstehen.
  • Skizziere das Portrait einer Person, die du in deinem Bildausschnitt siehst und charakterisiere sie. Denke dir eine Geschichte zu dieser Person aus.
    Warum ist sie gerade an diesem Ort? Was führt sie her? Was treibt sie an?

Teil 3: Veränderungen wahrnehmen

  • Suche diesen Ort oder Raum häufiger auf, zu unterschiedlichen Zeiten.
  • Was verändert sich – an der Umgebung, an den Menschen, an dem Geschehen?
  • Mache Momentaufnahmen wie mit einer Fotokamera und skizziere sie.
    Konzentriere dich dabei auf einen bestimmten Bildabschnitt.
  • Lasse eine Geschichte mit zeitlichem Ablauf daraus entstehen.

Ziel

Diese Schreibübung fördert die Aufmerksamkeit und das bildhafte Denken, indem wir Orte, Personen und Geschehen als Bilder und Bildausschnitte wahrnehmen, die sich zu einer Szene zusammensetzen. Das Notieren und Skizzieren regt dazu an, regelmäßig zu schreiben. Der kurze und knappe Schreibstil ermöglicht uns, sofort loszuschreiben und uns zugleich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wenn wir beginnen, eine fiktive Geschichte daraus zu entwickeln, können wir unsere Notizen und Skizzen ausschmücken und ausmalen.

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Allgemein, kreatives Schreiben

Schreibübung 3: Wortschatz

Inhalt

Das Handwerkzeug des literarischen Schreibens ist die Sprache.
Aus der Quelle unserer Fantasie schöpfen wir Bilder, die sich dann zu Worten formen.
Damit die Leser/innen diese Bilder und Worte nachvollziehen können, muss jede/r Autor/in ihren/seinen eigenen Schreibstil entwickeln, die eigene Ausdrucksform finden und die eigene Art, Geschichten zu erzählen.
Um die für uns richtigen Worte finden zu können, müssen wir unseren Wortschatz erweitern.

Aufgabe

1. Teil: Zeile eines Gedichts

  • Sieh dir diese Zeilen eines Gedichts an:

O schau, sie schweben wieder – Wie leise Melodien – Vergessener schöner Lieder – am blauen Himmel hin!“ (Hermann Hesse)

  • Diese Zeile soll Ausgangspunkt für deine eigene Geschichte sein.
  • Ändere die Worte um, indem du neue Begriffe suchst.
  • Erweitere den Text, so dass allmählich eine Geschichte in Prosa daraus entsteht.

2. Teil: Anfang einer Szene

  • Betrachte diesen Anfangssatz einer Erzählung:

Ich hatte mir nichts dabei gedacht, als ich den kleinen gelben Bleistiftstummel auflas, der auf dem gepflasterten Weg […] lag.“ (Franz Hohler)

  • Dieser Satz soll der Anfang für deine eigene Geschichte sein.
  • Lasse die Szene vor deinem inneren Auge entstehen.
  • Schreibe die Worte auf, die dir zu der Szene einfallen.
  • Versuche möglichst viele Worte zu finden, die zu einem Bild passen.
  • Setze die Szene fort, so dass allmählich eine Geschichte mit Handlung und Personen, vllt. auch mit Dialogen daraus entsteht.

Ziel

Diese beiden Übungen dienen dazu, den Wortschatz zu erweitern.
Gedichte sind verdichtete Sprache und sind dem bildhaften Denken am Nächsten.
Das Lesen von Gedichten fördert die Vorstellungskraft, die wir dazu nutzen können, selbst Bilder und Worte entstehen zu lassen.
Die Darstellung einer Szene fördert ebenfalls das bildhafte Denken und damit die Entstehung und Entwicklung unseres Wortschatzes, den wir für das literarische Schreiben benötigen.