Allgemein, kreatives Schreiben

Schreiben, schreiben, schreiben!

Literarisches Schreiben ist eine Form der visuellen Kunst, Ausdruck unserer inneren Bilder und Gestaltung der Sprache. Wie bei jeder anderen Kunstform, etwa Malerei, Musik oder Tanz, sind Talent und Schöpfungskraft unverzichtbar. Vor allem aber müssen wir das Handwerk des Schreibens erlernen und anwenden. Die einzige Art, das literarische Schreiben zu erlernen ist das Schreiben.

Es gibt keinen anderen Weg!

Musiker/innen benötigen viele Jahre des Übens, bis sie ihr Instrument spielen und Musikstücke vorführen und interpretieren können. Auch als Autor/in brauchst du diese Zeit, bis du deine Ausdrucksweise, deine eigene Art, Geschichten zu erzählen, gefunden hast und deine Erzählsprache beherrschst. Es reicht nicht aus, dass du beschließt, einen Roman zu schreiben, nur weil du gerne Fantasy, historische Romane oder Krimis / Thriller liest, dich hinsetzt und einfach drauf los schreibst. Ebenso wie ein/e Musiker/in musst du üben, üben, üben. Auch eine Fantasy-Geschichte muss hinsichtlich Figuren, Ort, Zeit und Handlung stimmig sein, ein historischer Roman muss gut recherchiert und in der dieser Zeit angemessenen Sprache geschrieben sein und ein Krimi / Thriller muss gut konstruiert und glaubwürdig sein. Um dies zu erreichen, musst du schreiben, schreiben, schreiben!

Unser Schreibgerät ist unser Werkzeug und unser Instrument.

Durch den Stift oder die Tastatur übertragen wir unsere Gedanken, Ideen, Bilder, Empfindungen auf das Papier. Du musst nicht Literatur- oder Sprachwissenschaften studiert haben, um selbst literarische Fiktion schreiben zu können. Ein solches Studium vermittelt, wie literarische Texte interpretiert werden, hat also eine analytische Herangehensweise. Das literarische Schreiben aber ist ein produktionsorientierter Umgang mit Literatur. Das Lesen und Analysieren von Texten kann uns jedoch helfen, unseren Wortschatz zu erweitern und unseren Sprachstil zu schulen.

Das literarische Schreiben ist ein immer währender Prozess.

Wir können unseren Schreibfluss fördern, indem wir die Quelle unserer Fantasie anzapfen, unsere Schöpfungskraft. Dies geschieht am besten durch Schreibübungen, wie wir sie auf dieser Website anbieten. Es sind kleine Lockerungs- oder Fingerübungen, bei denen es darum geht, alles niederzuschreiben, was uns gerade zu einem bestimmten Thema in den Sinn kommt, die Worte assoziativ fließen zu lassen, ohne zu lange zu überlegen, zu hinterfragen, zu kritisieren und zu blockieren.
Wenn wir auf diese Weise unseren Schreibfluss in Gang gesetzt haben, können wir mit der eigentlichen Arbeit des literarischen Schreibens und der Sprachgestaltung, der Konstruktion und Komposition unserer Geschichten beginnen.

 

 

Allgemein, kreatives Schreiben

Was ist literarisches Schreiben?

Als ich im November am National Novel Writing Month (NaNoWriMo) teilnahm, sollte ich in meinem Autorin-Profil das Genre meines geplanten Schreibprojekts eintragen. Da ich weder Fantasy, noch Krimis / Thriller, Love Storys oder historische Romane schreibe, wählte ich literary fiction, also literarische Fiktion. Einige Zeit später erhielt ich eine Anfrage von einer deutschen Teilnehmerin, was denn „literarisch“ bedeute. Sie selbst schreibe Fantasy  und verwende dabei eine sehr bildhafte Sprache. Kann sie also von sich behaupten, literarische Fiktion zu schreiben?

Literarische Fiktion ist kein Genre für sich.

Literarische Fiktion ist eine fiktive, mit sprachlichen Mitteln gestaltete Geschichte. Sie wird getragen von Figuren, Ort und Zeit sowie einer Handlung, die zu einem bestimmten Ende hinstrebt. Der Anfang beinhaltet das Ende bereits in sich und das Ende bezieht sich auf den Anfang. Die fiktiv geschaffene Umgebung und Handlung müssen die Regeln der Wahrscheinlichkeit beachten, sie müssen stimmig sein. Was wir Genre nennen, ordnet sich diesen elementaren Bestandteilen des Erzählens unter.

Literarisches Schreiben vs. kreatives Schreiben

Ich verwende bewusst den Begriff des literarischen Schreibens und nicht den des kreativen Schreibens, weil letzterer häufig zu der Fehlannahme führt, jede/r könnte einfach drauflos schreiben, wenn er/sie nur den passenden Plot hat. Aber Literatur ist eine Form der visuellen Kunst, ist Ausdruck von Sprache und wie bei jeder anderen künstlerischen Ausdrucksform müssen wir das Handwerk erlernen und anwenden. Ein Musiker muss sein Instrument beherrschen, bevor er ein Musikstück spielen und damit auftreten kann. Eine Malerin muss gelernt haben, wie sie den Pinsel führen muss, um ihren inneren Bilden Ausdruck verleihen zu können. Und eine Autorin/ein Autor muss Sprache gestalten und in eine Form bringen können.

Das Gestaltungsmittel der Sprache ist die Sprache.

Das literarische Schreiben ist Ausdruck von Ideen, philosophischen Gedanken, gesellschaftlichen und psychologischen Entwicklungen, von Geschichte und Politik durch Sprache. Der Erzählstil, die Beschaffenheit und Anordnung der Worte, die Struktur der Sätze, die Gestaltung des Textes und die Sprachmelodie erschaffen Vorstellungen, Gedanken und Wortfiguren. Literarisches Schreiben ist Bildmalerei, ein Ausdruck schöpferischer Phantasie.

Literarisches Schreiben ist keine Wissenschaft.

Ein Teilnehmer meiner Schreibkurse warf mir vor, mein Verständnis von literarischem Schreiben sei elitär, weil ich damit Fantasy- und Abenteuergeschichten, Love Storys, Krimis und Thrillers abwerte und nur anspruchsvolle gehobene Literatur gelten lasse. Doch will ich hier gar keine Wertung zwischen „literarisch wertvoll“ und „Mainstream“ vornehmen. Es kommt beim literarischen Schreiben darauf an, eine fiktive Geschichte zu erschaffen, die von einer bestimmten Ausgangssituation ausgeht, und die, vorangetrieben durch ihre Figuren, einem bestimmten Ende zustrebt, wobei sie Entwicklung und Ergebnis sinnvoll miteinander verknüpft. Rahmen, Ort und Handlung, auch das Genre, in die wir eine solche Erzählung stellen, ist uns überlassen.