Allgemein, kreatives Schreiben

Flåmbana

… die steilste Gebirgsbahn auf Normalspur in Europa.
Sie führt von Flåm nach Myrdal und überwindet dabei einen Höhenunterschied von
864 Metern auf einer Strecke von 20,2 Kilometern.

In der Bergenge

Als wir aus der Bergenge,
der gewaltigen Berekvamsschlucht, herausfahren,
öffnet sich das Gebirge vor uns,
aber es lässt uns nicht frei.

DSC06780

We are spiralling …

Wir bewegen uns in Spiralen,
taumeln, fallen, purzeln den Abgrund entlang
und sind doch mit dem Erdboden verbunden.

Der Zug bohrt sich in den Felsen ein,
wir schrauben uns in Kreiseln durch den Berg,
und jedes Mal eröffnet sich ein neuer atemberaubender Ausblick,
wenn wir wieder auftauchen.

Auf der gegenüberliegenden Gebirgswand
erkennen wir das Labyrinth der Zugstrecke,
die wir soeben befahren haben.
Der Weg kehrt sich erneut,
verwirrt folgen unsere Körper den Kehrtwendungen,
schwirren die Spiralen um uns,
Spiralling …

DSC06782

Fallendes Wasser Kjosfossen

Ein mächtiger Wasserfall lockt uns mit seinem Getöse,
über feuchtem, glitschigen Boden nähern wir uns,
der Wind stößt Fahnen von aufwirbelndem Wasser empor,
wir gleiten in den Sprühnebel und Frische umgibt uns,
setzt sich in unseren Haaren fest und nimmt uns den Atem.

Brausendes Wasser, Schaumkronen, Sprudel, Fontänen,
weiß, wild und wirbelnd.
Die Sonne im Rücken, vor der Felswand ein Regenbogen.

DSC06783

Vatnahalsen

Letzter Halt vor Myrdal.
Eisfelder und Eisseen.
Unheimliche, verzauberte Welt.
Unbewohnt und unwirtlich.

DSC06793

 

 

Allgemein, kreatives Schreiben

Nærøyfjord

… der schmalste Fjord Norwegens.
Die schönste Fjordlandschaft der Welt.
Von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt.

Der Weg zum Nærøyfjord

DSC06711Stalheimskleiva

Wir überqueren den Bergrücken und blicken in das Tal hinunter, das sich wie ein Trichter vor uns öffnet. Die engen Serpentinen der Stalheimskleiva führen uns unweigerlich hinab auf den Grund und wir werden entlang des Wildflusses zu der Mündung des Trichters hingezogen, Gudvangen, der Einstiegspunkt für die beeindruckende Fahrt über den Nærøyfjord.

DSC06718Gudvangen

Die Stille über dem Fjord

Erhaben und mächtig ragen die Bergwände mehrere hundert Meter aus dem Wasser empor. Die senkrechten, steil abfallenden Täler aus Felsen lassen nur einen schmalen Durchgang zu, den wir in unserem Boot passieren, wir strömen darauf zu, werden durch die enge Öffnung gezogen.

Tiefes, dunkles Wasser. Die Schlucht unter uns, unterhalb der Wasseroberfläche, noch tiefer als die Berggipfel über uns.

Licht und Schatten wechseln sich ab.

Wir tauchen ein in das dunkle Grün, den finsteren Schatten, gleiten an kargen grauen Felsen vorbei, durchqueren die Enge und kommen befreit hervor. Vor uns öffnet sich die Weite, dehnt sich aus, umspielt uns mit Wind in den Haaren und dem Ruf der Huldra, einem weiblichen Naturgeist.

DSC06733Nærøyfjord

Wir werden davongetragen, gleiten majestätisch dahin.
Jegliche Hektik, Aufgeregtheit, fällt von uns ab.
Wir schauen und staunen, lassen uns treiben.
Wir nehmen die Bilder in uns auf.
Zeit und Raum erhalten eine andere Bedeutung,
werden zu einer anderen Dimension.

Der Nærøyfjord strömt kaum merklich mit uns dahin.

Zwei Fjorde vereinen sich.

Grüne Waldhänge,
reißende Wasserfälle.
Verfallene Häuser, in denen kein Mensch mehr wohnt.
Felseinschnitte geben den Blick frei auf vereiste Berggipfel, die kein Mensch je betritt.

Schließlich erreichen wir die Begrenzung des Fjords.
Sackgasse, Endstation am Fuße des Gebirges.
Wir sind in Flåm angekommen.

DSC06769Flåm

 

 

Allgemein, kreatives Schreiben

Hardangervidda

… der größte Nationalpark Norwegens,
die weitflächigste Hochebene Europas.

Wilde, unwegsame Landschaft,
von der Eiszeit geformt,
urtümlich, ungezähmt,
weite Ebenen, sanfte Berggipfel,
rauhe Felsen, die sich aus den Fjorden erheben,
Wildwasser und Wasserfälle,
die sich in den Gletscherkessel stürzen.

Habitat für Schafe, Rentiere, Polarfüchse und Schneeeulen
und hunderte von Pflanzenarten.

Die Weite habe ich gesucht,
die Weite habe ich gefunden.

Aber ich bin nicht alleine.

Ich bin eines von unzählig vielen menschlichen Wesen, die wie Ameisen auf dieses Plateau krabbeln, sich auf Booten über den Fjord schiffern und in Bussen über die felsigen Haarnadelkurven am Abgrund entlang transportieren lassen, um dann das Wunderwerk der Natur zu bestaunen und sich der eigenen Unbedeutendheit und der eigenen arroganten Überheblichkeit bewusst zu werden.

Doch ich versuche, dieses Land nicht zu vereinnahmen und seine Weite und seine Ursprünglichkeit nicht für mich in Anspruch zu nehmen.
Ich befahre dieses Land nicht mit meinem Wohnmobil und in dem Gefühl, dass ich dort hineingehöre, dass ich ein angestammtes Recht habe, dort zu zelten und zu fischen und meine Duftmarke zu hinterlassen. Ich trage keine Pullover mit der Aufschrift „Norway“ und auf denen die norwegische Flagge als Markenzeichen abgebildet ist.

Ich möchte dieses Land und seine Einwohner respektieren und schätzen.
Ich lasse die Bilder auf mich wirken, auch wenn ich den Augenblick einfangen und festhalten möchte.
Ich versuche zu verstehen, wie diese eigenartige Landschaft entstanden ist,
welche Kräfte auf Stein, Felsen, Erde und Sand eingewirkt haben,
wie Eis und Wasser sich ihren Weg gebahnt, das Fjell abgeschliffen und das Gebirge geformt haben.
Ich versuche, die Dimensionen und ihre Bedeutung zu erfassen, auch wenn sie nicht begreifbar sind.

Ich wertschätze die Geduld und die Höflichkeit der norwegischen Menschen, die uns mit ihrem unendlichen Stolz ihr Land nahe bringen und uns seine Erdgeschichte vermitteln wollen.

Denn nur wer die Natur versteht, kann sie bewundern, so lautet die Botschaft im „Norsk Natursenter Hardangervidda“.

Wir sollten dankbar und demütig sein.

 

 

 

Allgemein, kreatives Schreiben

Schreibübung 6: Flow

Inhalt

Der Zustand des Flow ist ein Zustand des Sich-Vertiefens und der intensiven Beschäftigung mit dem, was wir tun. Beim literarischen Schreiben ist dabei häufig häufig vom Schreibfluss die Rede. Damit ist der Zustand gemeint, in dem die Gedanken und Ideen, Worte und Sätze aus uns herausströmen. Aber der Schreibfluss ist nur ein Teil des kreativen Schreibprozesses. Auch dann, wenn die Ideen nur stockend fließen und wir nach Formulierungen ringen müssen, sind wir kreativ. Manchmal müssen die Gedanken auch ruhen. Deshalb verbiete ich mir den Ausdruck der Schreibblockade.
Durch Schreibübungen können wir den Gedankenfluss wieder ins Laufen bringen.

Aufgabe

Teil 1: Fünf-Minuten-Geschichte

Suche dir aus den folgenden Vorschlägen intuitiv und spontan ein Thema aus:

  • Schreibe eine Geschichte über ein Gemälde.
  • Schreibe eine Geschichte über ein Gebäude.
  • Schreibe eine Geschichte über Musik.
  • Schreibe eine Geschichte über eine Farbe.
  • Schreibe eine Geschichte über ein Geräusch.

Beginne sofort, die Geschichte zu schreiben.
Überlege nicht vorher, was dir zu dem Thema einfällt oder was für eine Geschichte du schreiben willst. Schreibe einfach drauf los!
Falls dir nichts einfallen sollte, schreibe: „Ich habe mir dieses Thema ausgesucht, weil…“ und schreibe dann alles auf, was dir in den Sinn kommt.

Nimm dir für deine Geschichte 5 Minuten Zeit. Nicht länger.
Du kannst die Geschichte später noch umschreiben, überarbeiten, fortsetzen… wie du möchtest.

Teil 2: Sich-Vertiefen

Schreibe 2 Wochen lang jeden Tag über dasselbe Thema.
Wähle entweder ein Thema aus der Liste oben aus.
Nimm dir diesmal so viel Zeit wie du möchtest für deinen Text, entscheide an jedem Tag neu. Lass dich von deiner Inspiration führen.

Ziel

Durch das spontane Schreiben regen wir unsere rechte Gehirnhälfte an, die für das ganzheitliche Denken in Bildern, Farben und Melodien zuständig ist, und schalten das vernunftbetonte „Kopfdenken“ aus. Dadurch wird die Kreativität gefördert. Durch das tägliche Schreiben über dasselbe Thema befreien wir unsvon inhaltsleeren, stereotypen Denkstrukturen, können neue Wege beschreiten und zu Bereichen subtileren Wissens vordringen. Dadurch werden unsere Texte authentisch und erlangen mehr Tiefe.

Allgemein, kreatives Schreiben

Der kreative Prozess beim Schreiben

Literarisches Schreiben ist eine Form der visuellen Kunst. Und Kunst entsteht durch einen schöpferischen Akt. Schreiben ist ein immer währender kreativer Prozess, der das eigene Denken und die Sichtweise auf die Welt verändern kann.

Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.“
(Friedrich Schiller)

Deshalb betone ich in meinen Kursen zum literarischen Schreiben immer wieder, wie wichtig es ist, dass wir Zugang zu unseren kreativen Gedanken, Ideen, Schätzen finden und zu den subtileren und verborgenen Bereichen in unserem Wissen vordringen. Denn nur so können wir authentisch sein und eine Tiefe in unseren Geschichten erreichen, die auch andere Menschen anspricht und berührt.

Irrglauben und Missverständnisse über den Plot

Dennoch erlebe ich immer wieder, dass beim so genannten kreativen Schreiben der Fokus auf den Plot gelegt wird. Dabei ist vielen Schreibenden gar nicht klar, was genau unter dem Begriff des Plots zu verstehen ist. In der Literaturwissenschaft und der Erzähltheorie gibt es drei missverständliche Deutungsweisen:

  1. Der Plot wird häufig mit der Handlungslinie gleichgesetzt.
    Die Handlungslinie ist eine Kurzbeschreibung der Handlung einer Geschichte.
    Sie ist an der dramatischen Struktur ausgerichtet, also an dem Aufbau Ausgangslage – Konflikt – Lösung. Die Handlung wird anhand einer chronologischen Abfolge entwickelt.
  2. Der Plot wird mit der Prämisse gleichgesetzt.
    Die Prämisse ist die treibende Kraft der Geschichte, die den Autor durch die Handlung leitet und zu dem Konflikt und schließlich der Lösung zustrebt.
  3. Der Plot ist mehr als die Chronik von Ereignissen.
    Der Plot ist eine Kette von Zusammenhängen aus Ursachen und Wirkungen, die zwischen Handlung und Verhalten laufend ein Muster erzeugen („Warum geschieht etwas?“). Der Plot wirft eine Frage auf und der Handlungshöhepunkt beantwortet sie.
  4. Davon zu unterscheiden ist dann das Thema der Erzählung.
    Das Thema ist das, wovon die Geschichte handelt, das, was eine Erzählung behandelt. Man könnte auch sagen: Die Prämisse.

Egal, welcher Deutungsweise wir folgen, der Plot ist immer handlungsorientiert. Die Handlung einer Ezählung wird aber von ihren Figuren bzw. Charakteren gesteuert.
Also muss ich mich zunächst auf die Figuren konzentrieren!
Erst durch die Motivation der Hauptfigur, durch ihre Wünsche und durch ihren inneren Antrieb werden die einzelnen Handlungselemente, die wie Perlen auf einer Kette aneinander gereiht sind, zu einem zusammenhängenden Ganzen verknüpft, bei dem jedes Element der Geschichte folgerichtig auf dem vorangegangenen aufbaut.

Entdecke die musische Seite in dir!

Aber zurück zum kreativen Prozess des Schreibens:
Die Entwicklung des Plots gehört zum Komponieren und Konstruieren einer Geschichte. Hierzu ist logisches und systematisches Denken erforderlich, das Denken „mit dem Kopf“. Der Inhalt einer Erzählung aber sprudelt aus einer Quelle, die nicht dem vernunftbetonten Denken zuzuordnen ist, sondern dem ganzheitlichen Denken in Bildern, Farben und Melodien. Deshalb ist es wichtig, dass wir die musische Seite in uns entdecken. Dass wir in den Flow geraten, in den Schreibfluss, der uns mit seinen Wellen mitreißen kann, so dass die Worte und Sätze nur so aus uns heraussprudeln, der aber manchmal auch nur vor sich hin tröpfelt, so dass wir ihm jedes Wort abringen müssen.
Wir müssen uns diesem Flow hingeben und dürfen nichts erzwingen wollen.

 

Allgemein, kreatives Schreiben

Die Essenz des literarischen Schreibens

Soll ich ein Konzept für mein literarisches Schreibprojekt erstellen oder soll sich die Geschichte im Laufe des Schreibens aus sich selbst heraus entwickeln und erst dadurch Kontur erhalten?

Planen oder drauflos schreiben?

Wenn wir davon ausgehen, dass das literarische Schreiben ein Prozess ist, der in vier Phasen verläuft, für die wir unterschiedliche Schreibenergien benötigen (siehe hierzu den Beitrag Die 4 Phasen des Schreibens), dann stehen am Anfang die wilden und unausgegorenen Ideen von Mad(wo)man, dem verrückten, kreativen Geist, der Ideen generiert und der von der bildhaften Vorstellungskraft lebt. Aber irgendwann muss der Architect eingreifen und dem Ideenfluss eine Struktur verleihen. Denn sonst laufen wir Gefahr, mitten beim Schreiben die Orientierung zu verlieren. Das ist häufig der Grund dafür, dass Autoren ihre Schreibprojekte nicht fortführen und beenden: Sie schaffen es nicht, ihre Ideen zu verknüpfen und den Verlauf der Geschichte festzulegen. Irgendwann versanden die Ideen.

Die Prämisse – ein altes Missverständnis

Eine wichtige Strukturierungshilfe kann die so genannte Prämisse ein – ein Begriff aus der Erzähltheorie, der in Kursen zum kreativen Schreiben häufig gebraucht und blind wiederholt, aber nie zutreffend erklärt und erst recht nicht verstanden wird.

Die Prämisse ist die Essenz dessen, was eine Geschichte zu beweisen versucht.“
(Lajos Egri, The Art of Dramatic Writing, 1946/1960, S. 1)

Das Konzept der Prämisse hat Egri ursprünglich für die dramatische Struktur entwickelt, für das Schreiben von Theaterstücken. Jedem Drama müsse eine Prämisse zugrunde liegen, an der sich die Handlungsführung und die Entwicklung der Charaktere zu orientieren und sich unterzuordnen haben. Egri geht außerdem von einem strikten Aufbau aus, bestehend aus Anfang, Höhepunkt (Konflikt), Schluss (Lösung), durch den ein Spannungsbogen erzeugt werden soll. Doch ist dieses streng einzuhaltende schematische Vorgehen nicht für alle Formen des literarischen Schreibens geeignet, vor allem nicht für Romane und Kurzgeschichten. Denn nicht alle literarischen Werke folgen der Struktur eines typischen Hollywood-Spielfilms. Bei der Erzählmethode nach Egri besteht vielmehr die Gefahr, dass die Figuren zu klischeehaft gezeichnet werden und der Handlungsablauf mit seinem Konflikt zwischen Protagonist und Antagonist zu wenig Raum für die Entwicklung der Charaktere lässt.

Was ist mein Anliegen beim literarischen Schreiben?

Viele Schreibende haben daher Probleme mit der Prämisse, bedeutet sie doch, dass wir bereits vor (prä) Beginn des Schreibprozesses wissen sollen, wie die Aussage, die Botschaft unserer Erzählung lauten soll. Häufig wissen wir aber selbst noch nicht so genau, wohin unsere Geschichte laufen wird und fühlen uns durch eine strenge Vorgabe eingeschränkt. Vielen fällt es schwer, eine prägnante Formulierung oder Redewendung zu finden, wie „gebranntes Kind scheut das Feuer“ oder „der frühe Vogel fängt den Wurm“ o. ä. Zutreffender ist es deshalb, vom Anliegen oder von der Botschaft des literarischen Schreibens zu sprechen, von der Antriebskraft, die einer fiktiven Erzählung zugrunde liegt. Wichtig ist die Aussagekraft einer Geschichte. Was wollen wir unseren Leser/innen mitteilen, was von unserer Sichtweise über das Leben wollen wir ihnen vermitteln?

Was will ich mit meinem Schreiben bewirken? 

Wenn uns dies klar ist, haben wir ein Ziel, auf das wir hin schreiben können. Es ist hilfreich, wenn wir zu Beginn oder während des literarischen Schreibens unser Anliegen definieren. Unsere Aussage legt den Verlauf der fiktiven Geschichte fest und verhindert, dass wir uns selbst mit unseren kreativen Ideen aus den Augen verlieren. Die fiktive Geschichte wird in sich stimmig, ohne dass wir ständig den inneren Kritiker einschalten müssen, der kontrollieren will, ob wir das Konzept der dramatischen Struktur einhalten oder nicht. Die Geschichte entwickelt sich von selbst und wir haben den Freiraum, auch andere Formen des literarischen Schreibens auszuprobieren, Mosaikstrukturen, Collagen, Textexperimente Kürzestgeschichten etc.

 

Allgemein, kreatives Schreiben

Schreibübung 4: Beobachtungsgabe

Inhalt

Nachdem wir Ideen für unser literarisches Schreibprojekt gesammelt und unseren Wortschatz angeregt haben, gilt es hellwach und aufgeschlossen zu sein, damit unsere Schreibenergien fließen und wir sie nutzen können. Wir können unsere Beobachtungsgabe und Wahrnehmung schärfen, indem wir uns den Eindrücken um uns herum öffnen, Unbekanntes an uns heranlassen und neue Wege beschreiben.
Nur so können wir etwas erschaffen, was zuvor nicht existierte, nämlich eine von uns erdachte Welt mit einer fiktiven Handlung und fiktiven Personen.

Aufgabe

Teil 1: Notieren

  • Begib dich an einen belebten Ort (Park, Brunnen) oder Raum (Café, Restaurant, Museum) und beobachte genau, was du um dich herum siehst und erlebst.
  • Ist es ein ruhiger oder hektischer Ort?
  • Welche Menschen sind dort, wie sehen sie aus? Welche Kleidung tragen sie?
    Wie bewegen und benehmen sie sich? Was tun sie? Unterhalten sie sich?
  • Was nimmst du sonst noch wahr (Gebäude, Tiere, Pflanzen, Gegenstände…)?
  • Welche Sinneseindrücke nimmst du auf (Gerüche, Geräusche, Geschmack…)?
  • Notiere alles, was du wahrnimmst.

Teil 2: Skizzieren

  • Gehe vom Notieren zum Skizzieren über, das bedeutet:
  • Beschreibe skizzenhaft, in kurzer, knapper Sprache einen Bildausschnitt, den du vor dir siehst oder beobachtest.
  • Lasse daraus eine bildhafte Szene, einen kleinen Handlungsablauf entstehen.
  • Skizziere das Portrait einer Person, die du in deinem Bildausschnitt siehst und charakterisiere sie. Denke dir eine Geschichte zu dieser Person aus.
    Warum ist sie gerade an diesem Ort? Was führt sie her? Was treibt sie an?

Teil 3: Veränderungen wahrnehmen

  • Suche diesen Ort oder Raum häufiger auf, zu unterschiedlichen Zeiten.
  • Was verändert sich – an der Umgebung, an den Menschen, an dem Geschehen?
  • Mache Momentaufnahmen wie mit einer Fotokamera und skizziere sie.
    Konzentriere dich dabei auf einen bestimmten Bildabschnitt.
  • Lasse eine Geschichte mit zeitlichem Ablauf daraus entstehen.

Ziel

Diese Schreibübung fördert die Aufmerksamkeit und das bildhafte Denken, indem wir Orte, Personen und Geschehen als Bilder und Bildausschnitte wahrnehmen, die sich zu einer Szene zusammensetzen. Das Notieren und Skizzieren regt dazu an, regelmäßig zu schreiben. Der kurze und knappe Schreibstil ermöglicht uns, sofort loszuschreiben und uns zugleich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wenn wir beginnen, eine fiktive Geschichte daraus zu entwickeln, können wir unsere Notizen und Skizzen ausschmücken und ausmalen.

DSC05073