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Schreiben als Kunstform

Literarisches Schreiben ist eine Form der visuellen Kunst, es ist Gestaltung der Sprache.

Schreiben ist für mich eine synästhetische Erfahrung, ein künstlerisches Gesamtwerk aus mehreren Sinneseindrücken: Worten, Lauten, Klängen, Tönen, Bildern, Farben, Szenen, Geräuschen und Gerüchen.

(c) Clara Journot

Meine Texte sind Ausdruck meiner inneren Bilder. Deshalb stelle ich sie gerne in einen künstlerischen Zusammenhang, lasse sie lebendig werden durch das gesprochene Wort, durch Bilder und Musik.

Zu meinem Buchprojekt Im Grünen Haus habe ich eine Bildergalerie angefertigt. Das Fotografieren hat mich inspiriert, die Bilder verkörpern meine inneren Gedankenbilder. Jeder Figur aus Im Grünen Haus habe ich eine Fotografie zugeordnet und lasse sie selbst zu Wort kommen:


(c) Clara Journot

Ich stelle mir die Aussicht vor aus meinem künftigen Atelier, den Blick aus den hohen Industriefenstern, die die gesamte Außenwand der ehemaligen Gewerberäume einnehmen. Sie zeigen immer denselben Bildausschnitt …“

(Florian, Im Grünen Haus, S. 8)
(c) Clara Journot

Ich frage mich bloß, warum es ausgerechnet ein Altbau sein soll. Und noch dazu im Dachgeschoss. Ist die Wohnung renoviert? Und weshalb steht sie so lange leer?

(Claudia, Im Grünen Haus, S. 11)
(c) Clara Journot

Die windschiefen Stufen knarzten verächtlich bei jedem Schritt … Dem Haus waren seine Fußtritte wohlvertraut. Es ließ Paul den Vortritt, ertrug seinen schwerfälligen Gang …“

(Paul, Im Grünen Haus, S. 24)
(c) Clara Journot

Ich hatte fast vergessen, wie hellhörig das Grüne Haus ist, wie der Holzboden bei jedem Schritt mitschwingt und jedes Geräusch, jeden Ton und jeden Laut überträgt.“

(Gilla, Im Grünen Haus, S. 33)
(c) Clara Journot

Das Grüne Haus strahlte eine schlampige Würde aus. Mit seinen an der Fassade angebrachten Stuckornamenten und dem verschnörkelten Jugendstil-Muster über der schweren Eichenholztür wirkte es alt und erhaben und zugleich etwas schmuddelig.“

Karl (Im Grünen Haus, S. 45)
(c) Clara Journot

Die Luft war drückend und schien im Treppenhaus zu stehen. Mit jeder Etage, die sie hinaufstiegen, wurde es heißer und stickiger … Ihr Ziel war die Mansarde neben der Wohnung im Dachgeschoss. Hier oben roch die Luft wie in einem aufgeheizten Backofen.“

(Johannes, Im Grünen Haus, S. 161 f.)
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Ich bin alt, aber das war ich nicht immer

Photo by Suzy Hazelwood on Pexels.com

Madame Pipanelle meint:

Ich habe schon häufig gelesen oder gehört, dass Frauen ab einem gewissen Alter unsichtbar seien.

Unsichtbar für wen?

Da sich diese Aussage in der Regel auf Frauen jenseits der Wechseljahre bezieht, gehe ich davon aus, dass mit der fehlenden Sichtbarkeit von älteren Frauen ihre nicht mehr vorhandene Attraktivität für Männer gemeint ist. Ältere Frauen werden nicht mehr als potenzielle Sexualpartnerinnen wahrgenommen, also beachtet man sie einfach nicht mehr. Im logischen Umkehrschluss bedeutet das, dass Frauen sich nur über ihre Attraktivität als Sexobjekt definieren (sollen). Solange sie anziehend auf Männer wirken, sind sie sichtbar, sobald aber diese Anziehungskraft auf Grund von äußeren sexuellen Merkmalen nachlässt, sind sie unsichtbar. Welche Funktion haben sie dann überhaupt noch in dieser Gesellschaft?

Wie so oft im Leben kommt es auf die Sichtweise an.

Ich fühle mich nicht unsichtbar. Ich bin nicht unsichtbar. Aber mein äußeres Erscheinungsbild hat sich verändert. Wer nur diese äußere Hülle betrachtet, meine grauen, dünner gewordenen Haare sieht, meinen Körper, der seine Festigkeit verloren hat, die bequeme Kleidung, die ich bevorzugt trage, möchte mich möglicherweise in die Schublade packen: Ältere Frau , hat keine Ahnung von (wahlweise – je nach Situation): Computern / Handys / Technik / ÖPNV / Google Maps / Politik / Wirtschaft / Studium / Geschichte und Gesellschaft / Klimawandel / Mode / Ernährung / Sexualität … Dies mag vor allem auf jüngere Menschen zutreffen, die glauben, ältere Frauen seien in allem zu langsam.

Ich war noch nie langsam im Denken und bin es auch heute,
in meinen mittleren Jahren nicht.

Aber es gibt noch eine andere Schublade, nämlich die, in die mich Menschen stecken wollen, die genau so alt oder gar noch älter sind als ich. Sie vergleichen mein äußeres Erscheinungsbild mit ihrem eigenen Zustand und kommen zu der Einschätzung: Ältere Frau – so wie ich, also (wahlweise – je nach Situation): spießig / konservativ bis reaktionär / kein Interesse an neuen Erfahrungen / kein Interesse an neuen Technologien / kein Interesse an jungen Menschen …

Ich war nicht immer alt.

Dieser Zustand ist erst langsam und allmählich, schleichend, manchmal schubweise über den Lauf vieler Jahre eingetreten. Es war ein Prozess. Ein Entwicklungsprozess. Neugierde und Lebenshunger sind meine Antriebskräfte. Neugierde und Mut gehören zusammen. Wer nur auf mein äußeres Erscheinungsbild achtet, nur meine äußere Hülle sieht, erkennt nicht, welche Stärke sich dahinter verbirgt, wie viel Halt ich geben kann, weil sich meine Persönlichkeit durch die vielen Erfahrungen und auch durchlebten Krisen gefestigt hat. Ich habe Erfahrungen gesammelt, bin daran gewachsen und habe Weisheit erlangt. Aber das können diejenigen nicht sehen, die mich für unsichtbar halten (wollen).

Alte Frauen waren einmal jung.

Auch wir älteren und alten Frauen haben gelernt, studiert, gearbeitet, für unseren beruflichen und sozialen Aufstieg gekämpft, für Anerkennung und Gleichberechtigung im Job und im Privatleben, auch wir waren frisch verliebt, mussten Entscheidungen treffen, haben uns Sorgen über die Zukunft gemacht und haben Existenzängste durchlebt. Wir waren von der Meinung unserer Chefs und Kolleg*innen, unserer Familie und unserer Freund*innen abhängig und mussten erst herausfinden, wer wir wirklich sind, wie wir unser Leben gestalten wollen und mussten lernen, uns selbst zu lieben.

Diese Erfahrungen können wir weitergeben.

Also nehmt uns als alte und weise Frauen wahr,
stellt uns Fragen, sucht unsere Unterstützung.
Schaut nicht an uns vorbei und durch uns hindurch.
Nehmt wahr, dass wir Frauen ab einem gewissen Alter stolz und sichtbar sind.

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Visualisieren

Literarisches Schreiben bedeutet, dass wir mit Worten eine fiktive Welt erschaffen. Wir lassen in unserer Fantasie Bilder entstehen, die wir dann zu Worten formen. Wenn wir aus der Quelle unserer Fantasie schöpfen, setzen wir alle unsere Sinne ein. Erst dadurch, dass wir eine Szene bildhaft erleben, sie vor unserem inneren Auge sehen, sie hören, riechen, schmecken, tasten und empfinden, können wir das, was wir erzählen wollen, auch wirklich ausdrücken und anderen mitteilen. Indem wir diese Erfahrungen niederschreiben, wird unsere Geschichte auch für unsere Leser*innen sinnlich nachvollziehbar und erfahrbar.

Beim literarischen Schreiben können wir unsere bildhafte Vorstellungskraft fördern und im Schreibprozesse einsetzen. Wir können bei den Personen, die unsere Geschichte lesen, Bilder erzeugen sowie Eindrücke und Gedanken erwecken. Dies können wir erreichen, indem wir tatsächlich Bilder einsetzen, die unsere Fantasie, aber auch die der Leser*innen anregen und beflügeln.

In meinem Buchprojekt Literarisches Schreiben I habe ich die folgenden Bilder eingesetzt, um diesen Prozess in Gang zu setzen:

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Figuren entwickeln

Unsere Geschichten leben nicht ohne unsere Figuren. Durch die Motivation der Hauptfigur, durch ihre Wünsche und ihren inneren Antrieb werden die Handlungselemente erst zu einem sinnvollen Ganzen verknüpft.

Wichtig ist, dass wir einen persönlichen Zugang zu unseren Figuren haben, dass wir ihnen Leben einhauchen und uns in sie hineinversetzen. Wir müssen unseren Figuren zuhören und mit ihnen reden, einen inneren Dialog halten, überlegen, wie wir oder eine andere Person in derselben Situation sich verhalten würde, was unsere Figur denken und fühlen würde. Nur so können wir unsere Figuren auch für unsere Leserinnen und Leser nachvollziehbar gestalten.

Wenn wir unseren Figuren Konturen geben wollen, wenn sie authentisch und glaubhaft wirken sollen, dann müssen auch wir uns selbst als Schreibende mit den eigenen – hellen und dunklen – Seiten unserer Persönlichkeit beschäftigen. Wir müssen die verschiedenen Facetten betrachten, Erinnerungen, Erfahrungen und Empfindungen erwecken und hervorrufen. Nur wenn wir diese an und in uns selbst wahrnehmen, können wir auch tiefgründige – nicht nur schematische und flache – Figuren schaffen. Jeder Mensch ist nicht nur gut oder böse, stark oder schwach, ernsthaft oder humorvoll, vernunftbetont oder emotional. Die meisten Menschen tragen von beiden Seiten – Licht und Schatten – etwas in sich. Dies gilt es hervorzurufen. Nichts ist langweiliger, als klischeehafte Figuren, bei denen sich der Autor / die Autorin nicht die Mühe gemacht hat, in sie einzudringen, zu ihnen vorzudringen und sie uns letztlich nahe zu bringen.

Haben wir die Figuren unserer Geschichte erst erschaffen, können sie losgelöst von uns als Kunstfiguren ihr Eigenleben führen. Sie bekommen ihre eigene Stimme. Wir können sie mit Abstand betrachten und sie selbst die Geschichte erzählen lassen.

Dies veranschaulichen die folgenden Hörproben aus meinem Buchprojekt Im Grünen Haus, in denen die einzelnen Figuren selbst zu Wort kommen:

Im Grünen Haus
Florian

Weitere Hörproben findest du hier:

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Autorenseite

Besuche auch meine Autorenseite ClaraJournot-literarisches.com
Hier findest du meine Veröffentlichungen zum literarischen Schreiben und zu Schreibübungen, zum fiktionalen Schreiben sowie zu meinen aktuellen Buchprojekten.

Clara Journot – Literarisches Schreiben

Literarisches

Auf meiner Autorenseite findest du Denkanstöße und Beiträge über das literarische Schreiben, die Schreibtheorie sowie das Handwerkzeug des Schreibens findest du demnächst hier.

Fiktionales

Literarische Fiktion ist eine fiktive, mit sprachlichen Mitteln gestaltete Geschichte. Hier findest du meine literarischen Buchprojekte.

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Buchprojekte

Aktuelle Buchprojekte von Clara Journot:

Buchprojekt Literarisches Schreiben I, Sachbuch:

Literarisches Schreiben ist eine Form der visuellen Kunst, Ausdruck von inneren Bildern und Gestaltung der Sprache. Literarisches Schreiben ist ein immer währender Prozess. Um den eigenen Ausdruck in der Sprache zu finden, braucht es Talent, das Erlernen des Handwerkzeugs des Schreibens und die Entwicklung der kreativen Fähigkeiten.

Clara Journot, seit über 20 Jahren als Autorin, Dozentin und Schreibcoach für wissenschaftliches und literarisches Schreiben tätig, vermittelt die wichtigsten Elemente des literarischen Schreibens und bereichert sie durch praktische Schreibübungen, die passend zu den Beiträgen zur Schreibtheorie konzipiert sind. In diesem 1. Band zum literarischen Schreiben geht es um Inspiration und Kreativität, das Erwecken der schöpferischen Ideen und die Grundlagen des literarischen Schreibens. Damit können kleinere Schreibprojekte, Geschichten, Erzählungen und Episoden gestaltet werden. Darauf aufbauend folgen im 2. Band zum literarischen Schreiben Anregungen zum Konzipieren und Gestalten größerer Schreibprojekte bis hin zum Roman.

Auszug aus der Einleitung:

In diesem Buch geht es um das literarische Schreiben. Seit in den 1970er-Jahren in den USA das Creative Writing entwickelt wurde, hat sich diese Schreibmethode auch hier bei uns immer weiter verbreitet. Das ist an sich begrüßenswert, weil sich immer mehr Menschen zutrauen, fiktionale Texte zu schreiben. Doch führt der Begriff des kreativen Schreibens häufig zu der Fehlannahme, jede*r könnte einfach drauflos schreiben, wenn sie oder er nur den passenden Plot hat. Durch die Möglichkeiten des Bloggens im Internet und in den sozialen Medien sowie des Self-Publishings hat die Zahl der Veröffentlichungen in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Immer mehr Menschen schreiben und veröffentlichen ihre Texte, ohne dass eine kompetente Lektorin noch einmal gegenliest und Anregungen zu Verbesserungen gibt. Die Kurse zum kreativen Schreiben, die zuhauf und meist gegen teures Entgelt angeboten werden, vermitteln ebenfalls den Eindruck, dass jede*r einen Roman schreiben kann, sofern sie oder er bestimmte Methoden anwendet und fest vorgegebene Schreibregeln befolgt.

Bei alldem gerät aber in Vergessenheit, dass Literatur eine Form der visuellen Kunst ist. Zuallererst musst du Talent haben. Talent kann man nicht lernen. Aber damit sich diese tief in dir verwurzelten Fähigkeiten entfalten und ihren Ausdruck in der Sprache finden können, musst du – wie bei jeder anderen künstlerischen Ausdrucksform auch – das Handwerk erlernen und anwenden. Ein Musiker muss sein Instrument beherrschen, bevor er ein Musikstück spielen und damit auftreten kann. Eine Malerin muss gelernt haben, wie sie den Pinsel führen muss, um ihren inneren Bilden Ausdruck verleihen zu können. Und ein*e Autor*in muss Sprache gestalten und in eine Form bringen können, bevor sie oder er etwas Geschriebenes veröffentlicht. Ich verwende daher bewusst den Begriff des literarischen Schreibens.

In diesem Buch gibt es im ersten Teil unter dem Titel Literarisches Schreiben als Kunstform Beiträge zur Schreibtheorie. Zu jedem thematischen Beitrag gehört eine Schreibübung. Die Schreibübungen findest du im zweiten Teil des Buches unter dem Titel Literarisches Schreiben als Handwerk. Du kannst sie auch unabhängig von dem dazugehörigen Beitrag zur Schreibtheorie anwenden. Es sind Fingerübungen, die dir helfen sollen, in den Schreibfluss und den künstlerischen Flow zu gelangen. Du darfst jederzeit, wenn du den Impuls dazu verspürst, von den Vorgaben der Schreibübung abweichen, darüber hinaus gehen oder etwas völlig anderes schreiben. Du musst dich also nicht streng an die Aufgaben halten. Betrachte sie als Anregungen.

In diesem 1. Band zum literarischen Schreiben geht es um Inspiration und Kreativität, das Erwecken der schöpferischen Ideen und die Grundlagen des literarischen Schreibens. Du kannst damit kleinere Schreibprojekte, Geschichten, Erzählungen und Episoden gestalten. Demnächst werde ich im 2. Band zum literarischen Schreiben Anregungen zum Konzipieren und Gestalten größerer Schreibprojekte bis hin zum Roman geben.

Ich wünsche dir viel Vergnügen beim Lesen dieses Buches und beim Schreiben, Schreiben, Schreiben.

Lass deine Ideen sich entfalten!


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Buchprojekt Im Grünen Haus, Roman:

Florian und Claudia ziehen Anfang der 2000er-Jahre in das Grüne Haus, um sich ihren Traum vom Wohnen und Arbeiten in einer beliebten Großstadt zu verwirklichen. Das aufstrebende Viertel zieht auch den ehemaligen Manager Karl an, der auf der Suche nach einer neuen Betätigungsmöglichkeit ist. Paul, der älteste Bewohner, kümmert sich um das Grüne Haus und hängt alten Erinnerungen nach. Gilla ist die Eigentümerin und probiert neue Wege aus, um sich durch Musik, Sprache und Stimme auszudrücken. Und dann ist da noch ein ehemaliger Bewohner, dessen Anwesenheit das Grüne Haus nicht zur Ruhe kommen lässt. Die Bewohner*innen erleben die Veränderungen und das Nebeneinander von Alt und Neu im Grünen Haus und in ihrem Viertel auf unterschiedliche Art und Weise. Eine Geschichte über Gentrifizierung, Entfremdung und Sich-wiederfinden.

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Rezensionen

Das Grüne Haus steht metaphorisch für das Ankommen und das Loslassen.“

Jana van der Linden (22. August 2020)

In ihrem Werk „Im Grünen Haus“ setzt sich die Autorin mit verschiedenen Persönlichkeiten auseinander, die erst einmal, wie es scheint, distanziert voneinander leben. Wie Claudia und Florian, die trotz ihrer gemeinsamen Wohnung meist nur über E-Mail kommunizieren. Dann wären dort noch Paul und Gilla, die beide um geliebte Menschen trauern, und Karl, der sich von einem Burnout erholen muss und sich mit dem Schamanismus beschäftigt, um anderen Managern und Geschäftsleuten helfen zu können. Die Figuren leben nebeneinander im selben Haus und sind sich doch so fremd. 

Die Erzählweise wirkt, durch den Figurenwechsel, wie Puzzlestücke, welche sich nach und nach zusammenfügen. Die Leser*innen können sich auf eine spirituelle Reise begeben, die auch mitten im Alltag stattfinden kann. Durch einen Schicksalsschlag finden die Figuren vorübergehend zusammen und überwinden Traurigkeit und Einsamkeit, bis sie wieder ihre eigenen Wege gehen: Ein Kreislauf des inneren Zerfalls und des Wiederaufbaus. Jede*r versucht in dieser Stadt seinen oder ihren Platz zu finden. Man merkt schnell, dass es nicht das „Eine“ Happy-End geben wird. Es geht nicht darum, dass jede der Figuren am Ende des Werkes den „richtigen“ Weg gefunden hat. Der Roman beginnt mit einer Suche und endet mit einer Suche.

Ich konnte mich mit den Figuren zum Teil identifizieren. Wie mit Karl, der seinem Burnout, mithilfe von Spiritualität, entgegen wirken möchte, aber dann doch wieder anfängt neue Geschäfte abzuschließen. Oder Gilla, die lernt alleine zu verreisen und sich selber dabei begegnet. Claudia, die sich mit sozialem Aufstieg und ihren Leistungen defniniert. Paul, der ruhige Pol, der die Beständigkeit liebt. Und Florian, der durch sein Schwarz-Weiß-Fotoprojekt nach und nach die Farbe wieder in seinem Leben findet.

Das Grüne Haus steht metaphorisch für das Ankommen und das Loslassen Und dafür, dass beides miteinander zusammenhängt, dass Gegensätze nicht existieren und dass es kein richtig oder falsch gibt, sondern nur Erkenntnis.

Eine anekdotische Reise in sechs Leben“

Homo verstandicus (17. August 2020)

„Im Grünen Haus“ ist die Momentaufnahme von sechs verschiedenen Leben, die das Schicksal zu dem titelgebenden Gebäude geführt hat. Dabei lernen wir die sechs verschiedenen Charaktere, ihre Träume, Ziele, aber auch ihre zum Teil dramatische Vergangenheit kennen. Wir erleben ihren Alltag, ihre Gedanken, ihren Trott und ihre Sehnsüchte. „Im Grüne Haus“ ist eine ruhige, stellenweise hypnotisch erzählte Geschichte über Vergangenes, Verlorenes, aber auch über Veränderungen, Chancen und neue Möglichkeiten, die sich oft unerwartet ergeben. Das Glück liegt dabei oft in Kleinigkeiten, im Alltäglichen, zeigt das Buch dem Leser dabei zwanglos auf – und dem kann ich nur zustimmen.

Ein kleines aber intensives Buch“

Hanna Scheffler (19. Juli 2020)

„Das Grüne Haus strahlte eine schlampige Würde aus.“

Dieses Buch ist über die Bewohner eines Hauses in einem alten Stadtviertel, das sich allmählich zu einer hippen Wohngegend entwickelt. Die Großstadt, in der die Handlung spielt, lässt sich schnell als Düsseldorf identifizieren. Eine Stadt, die mehr Schein als Sein ist. Und so ist auch das Grüne Haus nicht grün, sondern hat eine unidentifizierbare Farbe. Die Bewohner sind ganz unterschiedlich in Alter und Herkunft und durch das Grüne Haus erfahren wir ihre Gedanken, Gefühle und Erlebnisse.

Der junge Fotograf Florian zieht ins Grüne Haus, weil er sich den Traum vom Wohnen und Arbeiten verwirklichen will, seine Freundin Claudia will als Juristin Karriere machen. Eine Kombination, die nicht gutgehen kann. Der Manager Karl hat gerade ein Burnout hinter sich und flüchtet in eine esoterische Lebensphase, um dann doch wieder in alte Verhaltensmuster zu verfallen. Gilla ist eine Frau mittleren Alters und ist auf der Suche nach Aktivitäten und Menschen, die ihr Leben ausfüllen, und entdeckt, dass die einfachen Dinge wichtig sind. Und schließlich der Rentner Paul, der seinem ehemaligen Freund und Nachbarn Johannes nachtrauert.

Ich konnte mich nicht mit allen Figuren gleich gut anfreunden oder gar identifizieren. Aber ich fand es sehr interessant, die verschiedenen Perspektiven kennenzulernen und zu erfahren, was sich hinter den Mauern eines Altbaus abspielt. Manche Dinge werden nur angedeutet, andere wiederum sehr ausführlich und detailliert geschildert. Aber es bleibt immer genug Raum, um sich als Leser eigene Gedanken und Vorstellungen zu machen.

Ein kleines, aber intensives Buch.

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Was ist literarisches Schreiben?

Literarisches Schreiben ist eine Form der visuellen Kunst, Ausdruck unserer inneren Bilder und Gestaltung der Sprache. Der Erzählstil, die Beschaffenheit und Anordnung der Worte, die Struktur der Sätze, die Gestaltung des Textes und die Sprachmelodie erschaffen Vorstellungen, Gedanken und Wortfiguren. Literarisches Schreiben ist Bildmalerei, ein Ausdruck schöpferischer Phantasie. Wie bei jeder anderen Kunstform sind Talent und Schöpfungskraft unverzichtbar. Vor allem aber müssen wir das Handwerk des Schreibens erlernen und anwenden. Die einzige Art, das literarische Schreiben zu erlernen ist das Schreiben.

Literarische Fiktion ist eine fiktive, mit sprachlichen Mitteln gestaltete Geschichte. Mit dieser kleinen Schreibübung kannst du beginnen, die eigene Sprache und Ausdrucksweise zu entwickeln:

Schreibübung Kürzestgeschichte:

  • Betrachte ein Wort, das besonders vielschichtig oder tiefgründig ist, zum Beispiel Sturmtief, Bergsee, Wurzel oder Narbe.
  • Notiere Begriffe und Ausdrücke, die dir zu diesem Wort einfallen.
  • Sobald du den Impuls verspürst, beginne eine Geschichte zu schreiben.
  • Schreibe alles auf, ohne nachzudenken und auszuwählen.
  • Nimm dir für die gesamte Übung 5 Minuten Zeit.

Die fertige Kürzestgeschichte kannst du anschließend überarbeiten, ergänzen, fortsetzen, wie du möchtest. Die Episoden zu Madame Pipanelle sind aus solchen Kürzestgeschichten hervorgegangen.


Denkanstöße und Beiträge über das literarische Schreiben, zur Schreibtheorie sowie das Handwerkzeug zum Schreiben von fiktiver Literatur findest du in meinem

Buchprojekt Literarisches Schreiben I

Hier findest du mehr Informationen zu diesem Buchprojekt

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Werden und Vergehen

Der Zustand zwischen Werden und Vergehen ist SEIN.
Doch ich bin nicht im Hier und Jetzt, ich b i n nicht.
Ich reise in die Vergangenheit,
tauche ein in Erinnerungen, Erlebtes, Gedachtes und Gefühltes,
die Bilder erscheinen, bunt und lebendig,
ausgemalt bis in die kleinsten Einzelheiten.

Die Reminiszenen sind schmerzhaft.
Ich will ihnen entfliehen und lande in der Zukunft.
Welk, kraftlos, schwindende Lebensenergie.
Kein Ausblick auf Neues mehr,
Neugierde und Wissbegier haben mich verlassen.

Gibt es noch unentdeckte Wege, die ich beschreiten werde?
Oder ist mein Lebensweg schon zu Ende gegangen?

Doch ich will das Leben auskosten und genießen. Ich will sein.

Ich will das Muster hinter dem SEIN erkennen,
das gesamte Gebilde meines Seins.

SEIN.
Hier SEIN.
Jetzt SEIN.

Was ist aus mir geworden?
Wie bin ich zu der geworden, die ich bin?
Wie habe ich mich entfaltet?
Und welche Aufgaben gilt es noch zu erfüllen?

Werden und Vergehen.
Ich bin geworden.
Ich bin.
Ich werde vergehen.

(c) Clara Journot