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Schreibübung 11: Dialoge schreiben

Inhalt

Der Dialog in einem fiktiven Text hat die Aufgabe, die Figuren zu charakterisieren und die Handlung voranzutreiben. Die Eigenarten der Figuren und ihre Beziehungen zueinander werden allein durch ihre Art miteinander zu reden, deutlich.

Aufgabe

1. Teil: Vom Fließtext zum Dialog

Schreibe einen vorhandenen Text aus einem Roman (Prosa) in Dialogform um:

  • Nimm dir einen Roman vor, der möglichst viele Beschreibungen enthält. Dazu eignen sich klassische Romane (z. B. Effi Briest oder die Buddenbrooks), aber auch moderne Romane, die etwas umfangreicher sind.
  • Wähle aus diesem Roman einen Abschnitt aus, maximal 1 Seite, in der eine Szene dargestellt wird, in der 2 oder mehrere Personen miteinander agieren.
  • Schreibe diesen Text um, indem du ausschließlich Dialoge verwendest, so wie in einem Drama, mit wechselnden Rollen.
  • Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, du kannst die Handlung verändern, erweitern oder einschränken, wie du willst.

2. Teil: Vom Dialog zum Fließtext

Wähle nun den umgekehrten Weg und schreibe einen Text von der Dialogform in Prosa um:

  • Suche einen Text aus einem Drama heraus (Schiller, Shakespeare, Tennessee Williams o. ä.).
  • Wähle eine kurze Szene aus, wieder maximal 1 Seite.
  • Schreibe diesen Text um, indem du keine Dialoge mehr verwendest, sondern nur noch die Handlung widergibst.
  • Charakterisiere die Personen, beschreibe die Umgebung, erzähle die Handlung.

Ziel

Diese Aufgaben sollen dich dabei unterstützen, dich auf die Gestaltung deiner Figuren zu konzentrieren. Mache deutlich, welche Eigenschaften und besonderen Eigenarten sie besitzen, indem du sie reden lässt. Jede Figur hat ihre eigene Sprache, in der ihr Charakter und ihre Beweggründe zum Vorschein kommen.  Konzentriere dich auf die Art, wie deine Hauptfigur spricht und was sie redet, wie sie mit den anderen Figuren interagiert und wie sie sich von den anderen unterscheidet.

 

Dialog

Allgemein

Dialoge führen

Dialoge haben in literarischen Texten eine ganz bestimmte Funktion.
Dialog (griechisch Dialogos) ist die Zwiesprache, das Gespräch, die Rede und Gegenrede, das ist der Wortfluss, das Fließen der Worte.

Das Schreiben von Dialogen braucht besonders viel Sorgfalt und Kunstfertigkeit. Denn die wörtliche Rede charakterisiert unsere Figuren und trägt zur Entwicklung der Handlung bei. Die Figuren – und die Gespräche, die sie führen – treiben die Geschichte voran. Siehe hierzu auch den Beitrag Die Figuren erzählen uns ihre Geschichte. 

Die Vorteile des Dialogs im literarischen Text

Wenn ich meine Figuren selbst zur Sprache kommen lasse, wird der Text lebendiger, als wenn ich den Erzähler nur beschreiben lasse, was gerade geschieht, wie die Figuren sich verhalten und was sie denken. Ich kann ein Thema von mehreren Seiten beleuchten, kann verschiedene Positionen gegenübergestellen, kann zwischen ihnen vermitteln oder die Figuren gegeneinander ausspielen.

Dialog ist ein  Text mit verteilten Rollen.

Beim literarischen Schreiben stelle ich eine Szene dar, in die ich meine Figuren hineinsetze, und rege meine Leser*innen zum bildhaften Denken an. Dazu gehört auch, dass die Figuren miteinander reden. In einem Dialog stehen die beteiligten Personen in Beziehung zueinander. Sie kommunizieren. Sie suchen im Dialog die Verbindung zueinander, die Verbindung zwischen verschiedenen (Innen-)Welten und Sichtweisen.

Dialoge in literarischen Texten sind keine Alltagssprache

Dialoge sind eine Kunstform, eine besondere Form der fiktiven Sprache. Deshalb haben unsere Figuren ihre eigene Sprache, ihre eigene Art zu reden. Verwende beim literarischen Schreiben niemals Alltagssprache! Die Leser*innen wollen nicht lesen, was sie täglich in ihrer wirklichen Umgebung hören.

Dialoge wie der folgende sind langweilig, auch wenn wir möglicherweise erfahren, dass sich die eine Figur vom Schicksal benachteiligt fühlt. Der Dialog trägt aber nichts zur Handlung bei.

„Wie läuft es denn mit Lasses Jobsuche?“, fragte sie.
Terese rümpfe die Nase. „Auf die Schnelle scheint der liebe Gott keinen Job zu liefern.“
„Nee, der hat vielleicht auch was anderes zu tun.“
(Camilla Läckberg, Die Schneelöwin)

Kunstfertiger ist dagegen der folgende Dialog:

„Ich hatte mal eine Schildkröte, aber die ist abgehauen.“
„Ach ja?“
„Meine Mom sagt, sie kann überleben, wenn sie’s nach draußen geschafft hat.“
„Wahrscheinlich ist sie tot“, sagte ich.
Clementine nahm das tapfer hin. Sie kam zu mir und hielt ihren Arm an meinen:. „Guck mal, ich hab Sommersprossen wie der Große Bär.“
(Jeffrey Eugenides, Middelsex)

 

Dialog

Allgemein, kreatives Schreiben

Schreibübung 10: Figuren gestalten

Inhalt

Unsere fiktiven Geschichten leben durch unsere Figuren und werden von deren innerem Antrieb geleitet. Deshab ist es wichtig, unseren Figuren Konturen zu geben, sie authentisch und glaubhaft zu gestalten. Denn nichts ist langweiliger als klischeehafte Figuren. Ich stelle hier eine Reihe von Schreibaufgaben vor, die es uns ermöglichen, mit unseren Erzählfiguren zu arbeiten und sie zu entwickeln.

Aufgabe

1. Aufgabe: Eigenschaften festlegen

Zunächst musst du deine Figur kennenlernen. Schreibe auf, welche Eigenschaften sie besitzt. Visualisiere deine Erzählfigur, indem du für einen Augenblick die Augen schließt und sie dir bildhaft vorstellst. Betrachte sie genau und setze sie dann in eine Szene. Schreibe die folgenden Merkmale und Eigenschaften deiner Erzählfigur auf:

  • Name, Aussehen, Alter, Beruf
  • Gestik und Mimik (Wie bewegt und benimmt sie sich?)
  • Sprache (Wie redet sie? Wie ist ihr sprachlicher Ausdruck?)
  • Beruf und Bildungshintergrund
  • Familie und Herkunft

2. Aufgabe: Eigenschaften weiter ausarbeiten

Damit deine Erzählfigur weitere Konturen und Facetten erhält und nicht flach und einseitig gerät, schreibe ihr einige ungewollte Eigenschaften und Widersprüche zu. Authentisch und liebenswert sind Figuren mit Schwächen und Macken, Ecken und Kanten.

3. Aufgabe: Stimmigkeit der Figur überprüfen

Wichtig ist, dass deine Erzählfigur nicht zu sehr mit deiner eigenen Person übereinstimmt. Dadurch schränkst du sie in ihrer Handlungsfähigkeit ein. Überprüfe deshalb, ob deine Figur eine stimmige, abgerundete Persönlichkeit hat, indem du dir die folgenden Fragen stellst:

  • Was ist ihre vorherrschende Leidenschaft? Was treibt deine Figur an? Was motiviert sie? Welche Absichten und Ziele verfolgt sie?
  • Findest du selbst deine Figur so interessant, dass du längere Zeit mit ihr verbringen und dich mit ihr beschäftigen möchtest?
  • Würdest du selbst gerne eine Geschichte über deine Figur lesen wollen?
  • Deine Figur soll im Laufe der Geschichte eine Wandlung vollziehen. Vor welche Aufgabe willst du sie stellen, damit sie ihr Potenzial entwickeln kann?

4. Aufgabe: Die Figur beschreibt ihre Entstehung selbst

Lass nun die Erzählfigur selbst zu Wort kommen. Versetze dich in deine Figur hinein und lass sie aus ihrer Sicht erzählen, wie sie entstanden ist („Mein Autor [Name] erfand mich, als er gerade … Er hatte die Idee …“).

5. Aufgabe: Verschiedene Settings

Lerne deine Erzählfigur noch besser kennen. Schreibe kurze Texte, in denen du sie in verschiedene Szenen setzt. Zum Beispiel:

  • Deine Figur verliebt sich. Daraus entsteht eine interessante Beziehung.
  • Deine Figur erlebt einen Tag in ihrer Kindheit.
  • Deine Figur geht am Abend aus. Welche Kleider hängen in ihrem Kleiderschrank und wie kleidet sie sich? In welches Restaurant geht sie? Mit wem? Was isst sie gerne? Was bestellt sie? Wie isst sie?
  • Wie verbringt deine Figur einen normalen Abend (ohne Verabredung)?
  • Was ist deiner Figur peinlich? Wann wird sie verlegen? Und wie?
  • Wo ist ihre verletzliche Stelle, ihr größter Fehler?
  • etc. …

Ziel

Wenn wir einen persönlichen Zugang zu unseren Figuren haben und uns in sie hineinversetzen können, können wir sie auch für unsere Leserinnen und Leser interessant und nachvollziehbar gestalten.

 

Allgemein, kreatives Schreiben

Die Figuren erzählen uns ihre Geschichte

Unsere Geschichten leben nicht ohne unsere Figuren. Durch die Motivation der Hauptfigur, durch ihre Wünsche und ihren inneren Antrieb werden die Handlungselemente erst zu einem sinnvollen Ganzen verknüpft (siehe hierzu den Beitrag Der kreative Prozess beim Schreiben).

Die Figur erzählt uns ihre Geschichte.

Die Hauptfigur lenkt und leitet die Geschichte. Ich verwende hier durchgängig den Begriff „Figur“, weil ich ihn für passender halte und für nicht so abstrakt und wissenschaftlich wie die aus der Literaturwissenschaft stamende Bezeichnung „Protagonist“.  Ein Protagonist verlangt immer nach einem Gegenspieler (Antagonist). Diese Denkweise entspricht dem Schema der dramatischen Struktur, das nicht für alle literarischen Texte gleichermaßen angewendet werden kann (Siehe hierzu auch den Beitrag Originelles schöpferisches Schreiben). Die Figur im literarischen Schreiben aber ist ein künstlerisches Produkt,  wir erschaffen sie durch unsere bildhafte Vorstellungskraft und durch unser Schreiben, gestalten sie durch unser künstlerisches Handwerk. Die Figur meiner Geschichte ist etwas, was ich selbst erschaffen kann, so wie eine Bildhauerin eine Skulptur.

Daher ist meiner Ansicht nach auch der Begriff des „character“, wie er häufig beim Creative Writing im englischsprachigen Raum zu finden ist, nicht treffend. Zwar muss meine Figur bestimmte Eigenschaften, Merkmale und Charaktereigenschaften haben; aber ich bin keine Psychologin, sondern nur Schöpferin, und die Beurteilung der charakterlichen Eigenschaften meiner Figur überlasse ich den Leserinnen und Lesern.

Liebe deine Figuren!

Wichtig ist, dass wir einen persönlichen Zugang zu unseren Figuren haben, dass wir ihnen Leben einhauchen und uns in sie hineinversetzen. Wir müssen unseren Figuren zuhören und mit ihnen reden, einen inneren Dialog halten, überlegen, wie wir oder eine andere Person in derselben Situation sich verhalten würde, was unsere Figur denken und fühlen würde. Nur so können wir unsere Figuren auch für unsere Leserinnen und Leser nachvollziehbar gestalten.

Wenn wir unseren Figuren Konturen geben wollen, wenn sie authentisch und glaubhaft wirken sollen, dann müssen auch wir uns selbst als Schreibende mit den eigenen – hellen und dunklen – Seiten unserer Persönlichkeit beschäftigen. Wir müssen die verschiedenen Facetten betrachten, Erinnerungen, Erfahrungen und Empfindungen erwecken und hervorrufen. Nur wenn wir diese an und in uns selbst wahrnehmen, können wir auch tiefgründige – nicht nur schematische und flache – Figuren schaffen. Jeder Mensch ist nicht nur gut oder böse, stark oder schwach, ernsthaft oder humorvoll, vernunftbetont oder emotional. Die meisten Menschen tragen von beiden Seiten – Licht und Schatten – etwas in sich. Dies gilt es hervorzurufen.

Nichts ist langweiliger, als klischeehafte Figuren, bei denen sich der Autor / die Autorin nicht die Mühe gemacht hat, in sie einzudringen, zu ihnen vorzudringen und sie uns letztlich nahe zu bringen.

 

Allgemein, kreatives Schreiben

Schreibübung 9: Variationen

Inhalt

Beim literarischen Schreiben müssen wir unsere Texte nicht zwangsläufig immer in einer der dramatischen Struktur (Anfang – Mitte – Ende) aufbauen. Es gibt andere Gestaltungsmöglichkeiten: Episoden, Mosaike, Collagen, Kürzestgeschichten, Kurzprosa, Haikus sowie künstlerische Gesamtwerke. Lies hierzu auch den Beitrag „Originelles schöpferisches Schreiben„.

Aufgabe

  • Schau dir das unten stehende Bild genau an.
  • Überlege dir zu diesem Bild ein Thema oder einen Oberbegriff.
  • Schreibe zu diesem Thema / Oberbegriff eine Reihe von eigenständigen Texten.
  • Probiere dabei verschiedene Variationen derselben Geschichte aus.
  • Verwende auch unterschiedliche Textelemente (Erzählung, Bericht, Charakterisierung, Ortsbeschreibung, Dialog, Kürzestgeschichte, Gedicht etc.).
  • Jeder einzelne Text soll zum Thema beitragen. Es soll ein Gesamtwerk entstehen, in dem jedes Element das Werk erweitert und um Details anreichert.
  • Die durchgehende Struktur wird durch das Thema gebildet, nicht durch den Handlungsablauf.

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Ziel

Das originelle schöpferische Schreiben hilft uns, unseren persönlichen Schreibstil zu entwickeln und unseren künstlerischen Ausdruck zu finden. Unser literarisches Schreiben wird dadurch kunstfertiger. In dem wir verschiedene Gestaltungsformen anwenden, können zeitliche und inhaltliche Lücken im Text entstehen, Verdichtungen, die die Leser/innen selbst mit ihrer Fantasie schließen können.
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die eigene Ausdrucksform zu finden. Seid kreativ und probiert es aus! Doch achtet immer darauf, dass ihr – egal welche Ausdrucksform ihr wählt – eure Texte eine Prämisse bzw. eine Aussage haben sollten, die ihr den Lesern mitteilt und vorhaltet. Denn nur so könnt ihr das Interesse der Leser/innen wecken und aufrecht erhalten.

Als Anregung kann euch das Buch „Mosaik aus Licht“ dienen: Es besteht aus Erzählungen, Geschichten, Gedichten, Haikus und Fotos mehrerer Autoren. Durch das Gesamtwerk kommt die Vielfältigkeit der verschiedenen Ausdrucksformen innerhalb einer literarischen Schreibgruppe zum Ausdruck. Jede Autorin hat ihre eigene Vorstellung und Herangehensweise an das gemeinsame Thema, den Überbegriff Licht.

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Das Buch „Mosaik aus Licht“ könnt ihr bei Interesse über unser Kontaktformular erwerben.

 

Allgemein, kreatives Schreiben

Originelles schöpferisches Schreiben

In Beiträgen und Kursen zum kreativen Schreiben wird den Schreibenden vermittelt, dass sie sich streng an den Aufbau Anfang – Mitte – Ende halten sollen und dass ihre Geschichte einen Protagonisten (zentrale Gestalt) haben muss, dem sich ein Antagonist (Widersacher) in den Weg stellt. Auch die Erzähltheorie geht von dieser klassischen dramatischen Struktur aus. Doch ist diese Art des Schreibens nicht für alle Autoren geeignet, da sie stark handlungsorientiert ist.

Es entsteht der Eindruck, die dramatische Struktur wäre die einzige richtige Form und wenn man sich daran hielte und sie schematisch als Handwerkszeug anwende, dann könne jede/r ein Buch schreiben. Und so überfluten auch Massen an Krimis und Thrillern und Fantasy-Geschichten der Creative Writing Szene den Selfpublisher Markt.

Doch literarisches Schreiben ist ein Ausdruck der Persönlichkeit und jede Autorin und jeder Autor muss ihren/seinen eigenen Schreibstil entwickeln, um gelesen, gehört, erkannt und verstanden zu werden.

Experimentelle Struktur vs. dramatische Struktur

Literarisches Schreiben besteht nicht nur aus Schreibstil („Erzählstimme“), Plot, Prämisse und dramatischem Aufbau. Von wesentlicher Bedeutung ist der kreative Schaffensprozess als solcher. Hierzu gehört auch, die richtige Form für das zu finden, was wir ausdrücken wollen. Nicht jede/r möchte einen Liebesroman, historischen Roman, Krimi oder Thriller schreiben. Es gibt auch andere literarische Formen, die ebenso wichtig sind und vielfältige künstlerische Gestaltungsmöglichkeiten bieten.

Im Gegensatz zur dramatischen Struktur werden diese Gestaltungsmöglichkeiten als experimentelle Strukturen bezeichnet. Ich verwende stattdessen den Begriff des originellen schöpferischen Schreibens, weil jede Form des literarischen Schreibens künstlerischer Ausdruck ist und nicht bloßes Ausprobieren. Auch experimentelle Strukturen haben ihre Daseinsberechtigung.

Unter dem Begriff des originellen schöpferischen Schreibens verstehe ich Episoden, Mosaike, Collagen, Kürzestgeschichten, Kurzprosa, Haikus sowie künstlerische Gesamtwerke.

Episoden

Episoden sind kurze Geschichten, die eigenständig für sich stehen können, die aber so zusammengefügt werden können, dass sie abgeschlossene Kapitel eines Gesamtwerks ergeben, etwa eines Romans. Auf dieser Website werden die Geschichten über Madame Pipanelle in Episoden erzählt. Weiteres Beispiel sind die in Episodenform verfassten Romane von Elizabeth Strout. Die Geschichten werden dadurch miteinander verbunden, dass die Personen der einzelnen Episoden in einem Bezug zueinander stehen. Auch Kürzestgeschichten können zu einem Gesamtwerk zusammengestellt werden.

Mosaik

Bei einem Mosaik werden selbstständige Texte zu einem übergeordneten Thema zusammengestellt. Jeder einzelne Text trägt zu einem Gesamtbild bei. Beispiel ist der Roman „Lempi“ von Minna Rytisalo, der aus drei selbstständigen Teilen besteht. Aus unterschiedlichen Perspektiven wird die Figur der Lempi aus der Wahrnehmung der jeweiligen Erzählperson beschrieben, bis schließlich ein Gesamtbild der Protagonistin entsteht, ohne dass diese selbst in der Geschichte auftaucht. Sie bleibt nur schemenhaft.

Collage

Auch bei einer Collage werden mehrere heterogene, also unterschiedliche Elemente zu einem Gesamtwerk zusammengefügt. Wir können unsere Texte auch mit anderen Medien zu einem Gesamtkunstwerk verbinden – mit Fotos, Musik, Videos, Zeichnungen, Grafiken etc.

Das Buch „Mosaik aus Licht“ besteht aus Erzählungen, Geschichten, Gedichten, Haikus und Fotos mehrerer Autoren. Man könnte diese Sammlung daher als Collage bezeichnen. Doch wir haben es als Mosaik bezeichnet, weil wir mit dieser Form die Vielfältigkeit innerhalb einer Schreibgruppe veranschaulichen wollten. Jede Autorin hat ihre eigene Vorstellung und Herangehensweise an das gemeinsame Thema, den Überbegriff Licht.

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Das Buch „Mosaik aus Licht“ könnt ihr bei Interesse über unser Kontaktformular erwerben.

 

 

Allgemein, kreatives Schreiben

Schreibübung 8: Der Anfang

Inhalt

Eine geeignete Methode für den Anfang einer Geschichte ist es, mit der Hauptfigur zu beginnen und diese die Geschichte erzählen zu lassen. Dazu müssen wir unseren Protagonisten in eine Szene setzen, die zugleich die Ausgangssituation für unsere Geschichte bildet. Diese Anfangsszene sollte so dicht wie möglich am Höhepunkt unserer Geschichte stehen. Sie soll das Interesse der Leser/innen wecken und Spannung erzeugen.

Aufgabe

1. Aufgabe: Anfänge lesen

Wähle drei Romane aus, die du bereits gelesen hast und die dir besonders gut gefallen haben. Nimm dir diese drei Bücher nochmals vor (aus deiner eigenen oder aus einer öffentlichen Bibliothek) und lies jeweils die ersten 3-5 Seiten.

Beobachte und notiere:

  • Welche Methode wählt der Autor / die Autorin jeweils für den Anfang seiner ihrer Geschichte?
  • Wie gelingt es dem Autor / der Autorin, dein Interesse an  zu wecken?
  • An welcher Stelle hast du das Gefühl, unbedingt weiterlesen zu wollen?

2. Aufgabe: Anfänge selber schreiben

Probiere nun aus, wie du selbst eine Geschichte anfangen würdest.

  • Skizziere kurz drei eigene Geschichten, indem du in wenigen Sätzen jeweils deren Anfang, Mitte (Höhepunkt) und Ende notierst.
  • Überlege dir jeweils eine Prämisse für die Geschichte!
  • Schreibe für jede skizzierte Geschichte einen Anfang (ein kurzer Absatz genügt!).
  • Probiere dabei verschiedene Methoden aus (Szene, Beschreibung, Charakterisierung deiner Hauptfigur).

Ziel

Das Ziel besteht darin, sich zu bewusst zu machen, dass der Anfang einer Geschichte zugleich schon das Ende in sich birgt.

Schärfe deine Aufmerksamkeit für die Erzählmethode und für die Gestaltung des Anfangs, indem du selber viel liest! Bewusstes Lesen bereichert und fördert den Wortschatz und den eigenen Erzählstil, entspannt und regt die Fantasie an und trägt zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit bei.

Bewusstes Lesen