Allgemein, kreatives Schreiben

Ein psychologischer Krimi

Wenn du einen Kriminalroman schreiben willst, kannst du dich von deinen Figuren leiten lassen. Blockiere deine Energie nicht dadurch, dass du ein vorgegebenes Konstrukt erstellst und deine Figuren dort hineinzwängst. Du hast mehr Gestaltungsmöglichkeiten, wenn du einen Handlungsrahmen erschaffst und deinen Figuren die Möglichkeit gibst, sich selbst und die Geschichte zu entwickeln. Du kannst die Geschichte „von hinten nach vorne schreiben“, also erst im Nachhinein die Elemente einfügen, die auf die Lösung hinweisen. Du musst beim Krimi-Schreiben nur einige wichtige Grundprinzipien beachten.

Was ist ein Krimi?

In einer Kriminalgeschichte geht es darum, eine begangene Straftat aufzuklären. Das Vorgehen ist wie bei einem Rätsel, das gelöst werden will.

Es ist ein Rätsel, und das kann man nur lösen, wenn es einigermaßen logisch ist.“

Clara Journot / P. Lallinger in Lügenglück

Deine Leser*innen interessiert vor allem: Wer hat die Tat begangen? Wie? Und warum?

Was ist ein psychologischer Krimi?

Die Spannung in einem Krimi wird – anders als bei einem Thriller – nicht unbedingt durch eine besondere Gewalttätigkeit oder durch schnelle Handlungs- und Action-Szenen erzeugt, sondern durch das psychologische Spannungsverhältnis zwischen Opfer – Täter – Ermittler. Das Opfer wird unvermittelt aus dem Leben gerissen. Im Mittelpunkt aber steht die unverwechselbare Lebensgeschichte des Täters oder der Täterin. Entscheidend ist der menschliche Faktor. Emotionen und daraus entstehende Konflikte liegen in der Natur der Menschen.

Hinter allen Figuren steckt eine Geschichte, etwas, das sie zusammenhält oder erst zusammenfinden lässt.“

Clara Journot / P. Lallinger in Lügenglück

Erschaffe faszinierende Figuren, die von einem inneren Drang wie Habgier, Hass, Liebe, Rache angetrieben werden. Dann hast du bereits die wichtigste Zutat für deinen Krimi, nämlich das Motiv. Das Motiv deines Täters / deiner Täterin bestimmt seine / ihre Handlungen. Das Mittel der Tatbegehung muss zum Täter passen.
(Beispiel: Gewalteinwirkung oder benutzt er / sie subtilere Mittel?)

Die Hauptfigur: Der Emittler / die Ermittlerin

Die Hauptfigur in einem Krimi ist nicht der Täter / die Täterin, sondern der Ermittler / die Ermittlerin. Denn ohne sie würde das Rätsel nicht gelöst werden. Sie bestimmt durch ihre Ermittlungen, ob und wie der Fall aufgeklärt wird. Auch die Ermittlerin muss einen bestimmten Antrieb haben (Beispiel: Gerechtigkeit schaffen oder besondere soziale Empathie mit dem Opfer). Sie muss logisch und folgerichtig vorgehen, denn Rätsel werden nie durch Glück oder Zufall gelöst. Dabei kann die Ermittlerin aber durchaus abgelenkt oder auf eine falsche Fährte geschickt werden, etwa durch das plötzliche Auftauchen von Nebenfiguren oder durch ein Detail, das ihr besonders bedeutsam erscheint.

Was ist noch zu beachten?

  • Recherchiere gründlich und benutze nur das, was du wirklich beherrschen kannst (Beispiel: Verzichte auf einen großen Polizeiapparat mit vielen Mitarbeitern und technichten Ermittlungsmöglichkeiten, wenn du keine Ahnung von Polizeiarbeit hast).
  • Führe nur so viele Figuren ein, wie für die Handlung notwendig sind. Denke daran: Verdächtig können nur Beteiligte sein.
  • Vergiss nicht, am Schluss alle Handlungsstränge zusammenzuführen und lasse keine losen Fäden übrig.

Denkanstöße und Beiträge über das Schreiben eines psychologischen Krimis findest du in meinem

Buchprojekt Lügenglück