Allgemein

Dialoge führen

Dialoge haben in literarischen Texten eine ganz bestimmte Funktion.
Dialog (griechisch Dialogos) ist die Zwiesprache, das Gespräch, die Rede und Gegenrede, das ist der Wortfluss, das Fließen der Worte.

Das Schreiben von Dialogen braucht besonders viel Sorgfalt und Kunstfertigkeit. Denn die wörtliche Rede charakterisiert unsere Figuren und trägt zur Entwicklung der Handlung bei. Die Figuren – und die Gespräche, die sie führen – treiben die Geschichte voran. Siehe hierzu auch den Beitrag Die Figuren erzählen uns ihre Geschichte. 

Die Vorteile des Dialogs im literarischen Text

Wenn ich meine Figuren selbst zur Sprache kommen lasse, wird der Text lebendiger, als wenn ich den Erzähler nur beschreiben lasse, was gerade geschieht, wie die Figuren sich verhalten und was sie denken. Ich kann ein Thema von mehreren Seiten beleuchten, kann verschiedene Positionen gegenübergestellen, kann zwischen ihnen vermitteln oder die Figuren gegeneinander ausspielen.

Dialog ist ein  Text mit verteilten Rollen.

Beim literarischen Schreiben stelle ich eine Szene dar, in die ich meine Figuren hineinsetze, und rege meine Leser*innen zum bildhaften Denken an. Dazu gehört auch, dass die Figuren miteinander reden. In einem Dialog stehen die beteiligten Personen in Beziehung zueinander. Sie kommunizieren. Sie suchen im Dialog die Verbindung zueinander, die Verbindung zwischen verschiedenen (Innen-)Welten und Sichtweisen.

Dialoge in literarischen Texten sind keine Alltagssprache

Dialoge sind eine Kunstform, eine besondere Form der fiktiven Sprache. Deshalb haben unsere Figuren ihre eigene Sprache, ihre eigene Art zu reden. Verwende beim literarischen Schreiben niemals Alltagssprache! Die Leser*innen wollen nicht lesen, was sie täglich in ihrer wirklichen Umgebung hören.

Dialoge wie der folgende sind langweilig, auch wenn wir möglicherweise erfahren, dass sich die eine Figur vom Schicksal benachteiligt fühlt. Der Dialog trägt aber nichts zur Handlung bei.

„Wie läuft es denn mit Lasses Jobsuche?“, fragte sie.
Terese rümpfe die Nase. „Auf die Schnelle scheint der liebe Gott keinen Job zu liefern.“
„Nee, der hat vielleicht auch was anderes zu tun.“
(Camilla Läckberg, Die Schneelöwin)

Kunstfertiger ist dagegen der folgende Dialog:

„Ich hatte mal eine Schildkröte, aber die ist abgehauen.“
„Ach ja?“
„Meine Mom sagt, sie kann überleben, wenn sie’s nach draußen geschafft hat.“
„Wahrscheinlich ist sie tot“, sagte ich.
Clementine nahm das tapfer hin. Sie kam zu mir und hielt ihren Arm an meinen:. „Guck mal, ich hab Sommersprossen wie der Große Bär.“
(Jeffrey Eugenides, Middelsex)

 

Dialog