Allgemein, kreatives Schreiben

Hardangervidda

… der größte Nationalpark Norwegens,
die weitflächigste Hochebene Europas.

Wilde, unwegsame Landschaft,
von der Eiszeit geformt,
urtümlich, ungezähmt,
weite Ebenen, sanfte Berggipfel,
rauhe Felsen, die sich aus den Fjorden erheben,
Wildwasser und Wasserfälle,
die sich in den Gletscherkessel stürzen.

Habitat für Schafe, Rentiere, Polarfüchse und Schneeeulen
und hunderte von Pflanzenarten.

Die Weite habe ich gesucht,
die Weite habe ich gefunden.

Aber ich bin nicht alleine.

Ich bin eines von unzählig vielen menschlichen Wesen, die wie Ameisen auf dieses Plateau krabbeln, sich auf Booten über den Fjord schiffern und in Bussen über die felsigen Haarnadelkurven am Abgrund entlang transportieren lassen, um dann das Wunderwerk der Natur zu bestaunen und sich der eigenen Unbedeutendheit und der eigenen arroganten Überheblichkeit bewusst zu werden.

Doch ich versuche, dieses Land nicht zu vereinnahmen und seine Weite und seine Ursprünglichkeit nicht für mich in Anspruch zu nehmen.
Ich befahre dieses Land nicht mit meinem Wohnmobil und in dem Gefühl, dass ich dort hineingehöre, dass ich ein angestammtes Recht habe, dort zu zelten und zu fischen und meine Duftmarke zu hinterlassen. Ich trage keine Pullover mit der Aufschrift „Norway“ und auf denen die norwegische Flagge als Markenzeichen abgebildet ist.

Ich möchte dieses Land und seine Einwohner respektieren und schätzen.
Ich lasse die Bilder auf mich wirken, auch wenn ich den Augenblick einfangen und festhalten möchte.
Ich versuche zu verstehen, wie diese eigenartige Landschaft entstanden ist,
welche Kräfte auf Stein, Felsen, Erde und Sand eingewirkt haben,
wie Eis und Wasser sich ihren Weg gebahnt, das Fjell abgeschliffen und das Gebirge geformt haben.
Ich versuche, die Dimensionen und ihre Bedeutung zu erfassen, auch wenn sie nicht begreifbar sind.

Ich wertschätze die Geduld und die Höflichkeit der norwegischen Menschen, die uns mit ihrem unendlichen Stolz ihr Land nahe bringen und uns seine Erdgeschichte vermitteln wollen.

Denn nur wer die Natur versteht, kann sie bewundern, so lautet die Botschaft im „Norsk Natursenter Hardangervidda“.

Wir sollten dankbar und demütig sein.