Allgemein, kreatives Schreiben

Inspiration und literarisches Schreiben

Das literarische Schreiben lebt von der Inspiration, also von der geistigen Eingebung, einem unerwarteten Einfall als Ausgangspunkt für die kreative Schöpfungskraft.
Doch wo bekommen wir die Ideen her?

Die Quelle der Inspiration

Die Quelle der Inspiration liegt in uns selbst. Wir tragen einen Erfahrungsschatz aus implizitem (stillem) Wissen in uns, aus dem wir schöpfen können. Kreative Gedanken entstehen aus Dingen, die wir erlebt haben, Informationen, die wir gehört, gelesen, gesehen, gefühlt und scheinbar wieder vergessen haben, die aber in unserer Erinnerungskiste abgelegt und zu unserem unbewussten Gedächtnis geworden sind.
Wir können uns diese inneren Schätze nur wieder zugänglich machen, indem wir gerade nicht – wie wir es häufig gewohnt sind – zielgerichtet und bewusst denken. Denn dann folgen wir nur unseren alten Denkmustern und können keine neuen Wege betreten.
Was wir brauchen ist Begeisterung für neue Ideen und Einsichten!
Doch wie kann es uns gelingen, an diesen verborgenen Erfahrungsschatz zu gelangen und die schöpferische Kraft zu nutzen? Das Wissen steckt in unserem Können!

Bildhafte Vorstellung vs. verkopftes Denken

Wir müssen unsere bildhafte Vorstellungskraft nutzen, denn die Bilder existierten lange, bevor es die Sprache gab und die Sprache entstand und entsteht aus Bildern.
Die bildhafte Vorstellung steht im Gegensatz zum verkopften Denken, bei dem wir versuchen, zielgerichtet und bewusst etwas zu errichten, herzustellen oder zu konstruieren. Die Literaturwissenschaften und ihr folgend die neuzeitliche deutschsprachige Literatur basieren auf diesem verkopften Denken. Daher werden von der Fachwelt häufig nur solche Romane als literarisch wertvoll und hochwertig angesehen, die vom Verstandesdenken getragen sind, die unbewusste schöpferische Energie aber nicht zulassen, so dass sie die Leser/innen nicht ansprechen oder berühren.
Als Beispiel möchte ich hier den vielfach gelobten Roman „Kraft“ von Jonas Lüscher nennen, der ein intellektuelles philosophisches Thema zum Gegenstand hat und mit Problemen des Neoliberalismus verbindet, dessen Figuren aber flach und leblos wirken und deren Handlungen nicht nachvollziehbar sind.
Hingegen können Romane, die sich mit alltäglichen Geschehnissen und persönlichen Konflikten befassen, durchaus menschlich bedeutsame Lebensfragen, philosophisch tiefgreifende Gedanken und psychologische Erkenntnisse beinhalten und müssen keineswegs oberflächlich und unbedeutend sein. Auch hier möchte ich ein Beispiel einfügen: „Aus der Welt“ von Douglas Kennedy, in dem die Lebensgeschichte einer intelligenten, selbstständigen Frau erzählt wird, die tief verletzt in eine Depression gerät und wieder den Weg zurück ins Leben findet. Dieser Roman ist bewegend und regt zum Nachdenken über die Lebensgestaltung moderner Frauen in der heutigen Zeit an.
Wichtig für das literarische Schreiben ist daher, dass wir die Bilder und Empfindungen, die wir in uns selbst hervorrufen, so in Worte fassen, dass sie für unsere Leser/innen nachvollziehbar, nacherlebbar werden.

Methoden zur Anregung der Schöpfungskraft

Es gibt viele Methoden, Ideen zu erwecken und den Schreibfluss in Gang zu bringen.
Die Schreibübungen, die wir auf dieser Website vorstellen, sind eine von vielen Möglichkeiten. Sie regen das bildhafte Denken und die Vorstellungskraft an.
Und vor allem kommt es darauf an zu schreiben, schreiben, schreiben!
Ansonsten hat jede/r Künstler/in und jede Autorin, jeder Autor ihre/seine eigene Art, den Schaffensprozess zu fördern. Die nachfolgenden Techniken können daher nur Vorschläge und Anregungen sein, aber kein Patentrezept enthalten, das für alle gleichermaßen wirksam ist.

Notieren

Schreibe regelmäßig, notiere und skizziere!
Führe ein Tagebuch und/oder trage immer ein Notizbuch bei dir.
Notiere, was dir gerade an Gedanken in den Kopf kommt, beobachte die Menschen und die Umgebung um dich herum und schreibe auf, was du siehst und sonst noch wahrnimmst. Fertige Skizzen an von Szenen und Ereignissen, die du im Alltag erlebst.
Lege das Notizbuch auch neben dein Bett, denn die Zeit kurz vor und nach dem Einschlafen bringt häufig unbewusste Gedanken und Ideen hervor.

Zeit und Stille

Nutze die Zeit und die Stille, in der du nichts tust.
Lasse die Gedanken fließen, ohne an etwas Bestimmtes zu denken.
Höre auf das Ticken einer Uhr, schaue in die Flamme einer Kerze oder lausche auf das Tropfen des Regens an deinem Fenster…
Erlaube dir Wachträume.
Oder bleibe morgens ein paar Minuten länger im Bett liegen und hänge deinen Nachtträumen und/oder deinen Gedanken nach.

Anregende Orte und Tätigkeiten

Suche anregende Orte auf und probiere neue Tätigkeiten aus.
Erkunde deinen Wohnort, als wärst du zu Besuch oder ein/e Tourist/in.
Fahre mit dem Zug und schaue auf die Landschaft.
Setze dich in ein Café und beobachte die Menschen und die Umgebung.
Mache Ausflüge in die Natur, wandere durch den Wald oder Park, setz dich an den Strand oder an das Ufer eines Flusses.
Gehe ins Museum oder in eine Ausstellung.
Höre Musik und gehe in ein Konzert.

Anregende Mittel

Genussmittel in Maßen sind erlaubt.
Vor allem eine Tasse Tee oder Kaffee kann die Kreativität und den Gedankenfluss anregen. Ebenso Schokolade.
Doch vermeide Alkohol, weil er die Gedanken benebelt.

Rituale

Entdecke deine eigenen Rituale.
Räume deinen Schreibtisch auf, spitze deinen Bleistift, koche dir eine Tasse Tee, höre die Musik, die dich zum Schreiben anregt,  bevor du mit dem Schreiben beginnst.
Oder, oder, oder…